Raptor-Basiswissen

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    • Raptor-Basiswissen

      Brennt mir sowieso schon eine Weile im Hinterkopf, aber aus aktuellem Anstoß:
      Ich würde hier gerne mal einen "Sammelthread" zu dem Basiswissen, das man braucht um quasi von null zu einem funktionierendem Raptor ohne aktive Waffe zu kommen.
      Dabei geht es nicht um eine Schritt-für-Schritt Anleitung zum nachbauen, sondern mehr grundlegende Mechatronik und Materialien, die sich bewährt haben jeweils mit 1-2 Beispielen, sowie "Fallen", in die man geraten könnte und die sich vermeiden lassen. Dabei werden wohl auch nicht alle Begriffe komplett erklärt, aber zumindest weiß man dann schonmal davon und kann per Forensuche, Google oder entsprechende Fragen genug zu dem bestimmten Thema finden um es wirklich zu verstehen.
      Dabei darf/soll das gerne als Gemeinschaftsprojekt aufgefasst werden, wer etwas ergänzen möchte oder andere Erfahrungen gemacht hat: her damit.
      Ebenso sollen nach und nach Beispiele/Bilder eingebaut werden, erstmal ist das hier als "Skelett" zu verstehen.
      Und da das ganze mit der Zeit wohl recht groß wird, bekommt jedes Kapitel einen eigenen Post, in den der Inhalt dann reineditiert wird ;)

      Übersicht/Inhalt:
      1. Grundlegende Gedanken zum ersten Bot
      2. Aufbau/Komponenten von Arena und Bot
      3. "Innereien"
      4. "Chassis"
      5. Häufige Fehler und Probleme
      "Spiel mit dem Feuer. Tu es.
      Denn man kann einem Kind hundertmal sagen, die Herdplatte sei heiß. Die Bedeutung wird ihm erst in dem Moment, in dem es trotzdem drauffässt klar.
      So lernt doch jeder für sich selbst, in dem großen Spiel das Leben heißt. Und das Feuer ist einer der anspruchsvollsten, dennoch lohnendsten Mitspieler."

      Ps: Nicht käuflich, aber buchbar

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Runsler ()

    • 1. Grundlegende Gedanken zum ersten Bot

      Vorweg: Die meisten ersten bots sind viel zu ambitioniert und übertrieben.
      Das ist normal, fast jeder glaubt die unschlagbare Idee zu haben und damit gewinnen zu können. Manchmal stimmt das sogar, meistens allerdings sind diese Ideen so kompliziert, dass sie auf dem Papier oder im Kopf stecken bleiben und nie wirklich gebaut werden. Oder die "innovative" Idee wurde bereits mehrfach ausprobiert und funktioniert einfach nicht. Fortschritte in der Technologie machen vieles möglich, was vor 20 Jahren noch nicht funktioniert hat, aber die Physik bleibt. Gleichzeitig lernt man am meisten zum Botbau aus der Kommunikation mit anderen, aus eigener Erfahrung, und durch die tatsächliche Teilnahme an Turnieren/Events.

      Bleibt als Fazit also: Übernehmt euch nicht mit dem ersten Bot. Am Anfang ist es schon eine Leistung, irgendetwas fahrbares in die Arena zu stellen, das dem Regelwerk entspricht.
      (Fast) überall, aber garantiert hier in Deutschland werdet ihr allein dafür bereits eine Menge Lob, Anerkennung und Respekt bekommen, auch wenn ihr beim ersten Event jeden Kampf verliert, und gleichzeitig bekommt ihr jede menge Erfahrung allein dadurch, die anderen Bots live zu sehen, auch mal reinschauen zu können und direkt Fragen zu stellen. Wir sind froh über jeden Bot der mitmacht, und auch wenn der eigene Bot normalerweise vor geht: ihr werdet auch hinter der Arena jede Menge Hilfe bei Reparaturen oder Problemen finden. Die meisten Teams bestehen aus 1-3 Leuten, da ist man froh mal "miteinander" basteln zu können ;)

      Beispiel mein eigener Bot:
      Auf Papier war es ein unglaublich komplizierter Vertikalspinner, dessen Rückseite gleichzeitig Keilform hatte, und das ganze noch komplett invertierbar, zwei Waffenmotoren, Dach/Boden aus Titan, und einem Spinner, der mehr Energie speichern sollte als der stärkste, der jetzt in diesem Forum unterwegs ist.
      Was es geworden ist, nachdem mir viel zu spät klar wurde, dass ich das mit meinen Möglichkeiten nicht schaffe:
      Ein Thwackbot Raptor fast komplett aus Plastik, in ein paar Nächten auf dem Dachboden und zum Teil morgens um 5 im ICE zum Event zusammengeschraubt, dessen Räder in fast jedem Kampf abgefallen sind, der dauernd auf der Seite gestrandet ist, dessen Beleuchtung nicht funktionierte und der sich nur mit der geliehenen Fernbedienung eines anderen Roboteers steuern ließ, wobei Kurven sowieso fast unmöglich waren, weil die "Waffe" dauernd im Arenaboden feststeckte.
      Aber er wurde nach jedem Kampf bei der Reparatur besser und stärker, Ich habe eine Menge gelernt, alle haben eine Menge Spaß gehabt, und die zweite, überarbeitete Version des Bots hat beim nächsten Turnier sogar Kämpfe gewonnen.


      Das Ziel vom ersten bot sollte nicht sein zu gewinnen, sondern keine Irreparablen Schäden einzustecken, bei jedem Kampf mitfahren zu können und dabei noch eine gewisse Chance auf einen Sieg zu haben.Oft genug geht ein komplexer Bot K.O, weil er sich selbst zerlegt. Tut deiner das nicht, ist das ein Sieg ;)

      Mir (und soweit ich gehört habe vielen anderen) ging es sowieso so, dass ich schon nach dem ersten Kampf so viele Verbesserungsmöglichkeiten gesehen hab, dass ich den Bot am liebsten direkt nochmal komplett neu gebaut hätte.

      Daher lieber etwas vorsichtiger bauen, etwas mehr Gewicht in die Defensive als in die Offensive stecken, solange die Elektronik überlebt, lässt sich der Bot meistens vor Ort reparieren, oder die "Innereien" können nach dem Turnier für den zweiten, dank Erfahrungen deutlich besseren Bot benutzt werden.
      Und: ihr müsst an keinem Kampf wirklich teilnehmen. Wenn ihr mit eurem ersten bot lieber direkt in die Grube fahrt als euch mit dem gefürchtetsten Spinner anzulegen, wird euch das keiner übel nehmen.
      Auch bei allem anderen: Jeder, der mit einem eigenen Bot dazukommt, ist ein Gewinn für uns alle. Daher hat man grade beim ersten Event einen gewissen "Noobschutz", keiner will Neulinge vergraulen oder andere Roboter so beschädigen, dass man sie nicht bis zum nächsten Kampf flott bekommt. Kann natürlich trotzdem passieren, aber man versucht es zu vermeiden.
      "Spiel mit dem Feuer. Tu es.
      Denn man kann einem Kind hundertmal sagen, die Herdplatte sei heiß. Die Bedeutung wird ihm erst in dem Moment, in dem es trotzdem drauffässt klar.
      So lernt doch jeder für sich selbst, in dem großen Spiel das Leben heißt. Und das Feuer ist einer der anspruchsvollsten, dennoch lohnendsten Mitspieler."

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    • 2. Aufbau/Komponenten

      Erstmal die Arena, denn der Bot muss ja mit seinem Umfeld zurechtkommen.

      Der Boden besteht aus OSB-Platten, also relativ rauer Holzboden, im Laufe des Turniers entstehen zwangsweise kleinere oder größere Macken, Löcher etc.
      Die Wände gehen bis (fast) direkt an den Boden, im unteren Bereich bestehen sie aus Autobahn-Leitplanke, darüber aus klarem Kunststoff.
      Die Leitplanken sind dabei leicht "wellig", und der unterste Teil ist nach außen gerichtet, sodass Bots unter diesem leitplankenteil feststecken können. Außerdem befindet sich zwischen Leitplanke und Bodenplatte ein ca. 1cm breiter Spalt, in dem Bots feststecken können.

      Die Arena ist momentan auf maximal 1kj gespeicherter Energie pro starre Waffeneinheit beschränkt, einfach aus Sicherheitsgründen (mehr könnte die Wände durchschlagen und Publikum und/oder Fahrer gefährden. Zum Vergleich: Pistolenkugeln liegen bei ungefähr der Hälfte an Energie). Für Raptoren ist dies in der Regel sowieso irrelevant, Feather können da hingegen locker drüber kommen.

      Außerdem gibt es in der Arena eine Grube, grob nach Erinnerung und Schätzung ca. 1m² groß. Fällt der Bot da rein, hat er verloren.


      Jetzt zum Bot:
      Ein bot besteht normalerweise mindestens aus folgenden Komponenten:
      1. Akku
      2. Fahrmotoren, mindestens einer pro Seite. In der Regel mit einer Untersetzung (Getriebe).
      3. Empfänger, mit passender Fernbedienung
      4. Fahrtenregler (ESC) (ein ein-kanal-Regler pro Seite oder ein Zweikanalregler für beide zusammen, seltener ein Regler pro Motor bei mehr als zwei Motoren)
      5. Removable Link + Anzeige-LED
      6. Räder, mindestens eines pro Motor
      7. Chassis
      8. Panzerung (meist im Chassis integriert)
      9. "Waffe"
      (10. Je nach Waffenart können zusätzliche Motoren, Fahrtenregler, Pneumatiksysteme oder ähnliches dazukommen)

      1-5 Zähle ich dabei als "Innereien", 6-10 fallen mehr oder weniger unter "Chassis".

      In den meisten Bots sollten Link, LED, Akku, Fahrtenregler und Empfänger die am besten geschützten Teile sein.
      Die Gründe dafür:
      Wird der Link getroffen, ist der Bot kampfunfähig, der Kampf ist verloren.
      Die LED ist ein wichtiges Sicherheitsmerkmal. Fällt sie aus, ist von außen nicht sicher erkennbar, ob der Bot aktiv und damit potentiell gefährlich ist oder nicht.
      Moderne LiPo Akkus neigen dazu, bei Gewalteinwirkung abzubrennen. Nicht gut für den Bot oder die Atemluft drumherum.
      Fahrtenregler sind oft die teuersten Teile in einem Bot, selten vor Ort reparierbar, und Ersatzteile hat man oft auch nicht. Fallen sie aus, ist der Bot oft komplett für das restliche Event lahmgelegt.
      Empfänger sind klein und passen überall zwischen. Aber fallen sie aus, schaltet sich der Bot aus, und der Kampf ist verloren.

      Fällt hingegen ein Antriebsmotor aus, oder ein Rad, kann der Bot manchmal trotzdem weiterkämpfen, oder zumindest repariert werden ohne allzu großen (finanziellen) Aufwand.

      Grundsätzlich sollte man zunächst diese Teile auswählen bzw. deren Gewicht abschätzen, damit hätte man bereits alles notwendige für ein fahrbares irgendwas. Anschließend kann man sehen, wie viel Gewicht für Panzerung, Waffe etc. noch übrig ist, und diese entsprechend gestalten.
      Hierfür ist es oft hilfreich, auf CAD zurückzugreifen. Je nach vorkenntnissen und Motivation ist das die Abkürzung für "Computer Aided Design", oder "Cardboard Aided Design". Es ist wirklich unglaublich nützlich, die Teile als kleine Pappkartons vor der Besorgung nachzubauen und hin- und herzuschieben um zu sehen welche Anordnung gefällt, und wie das ganze funktionieren könnte.

      Dabei sollte man vor allem auf folgende Faktoren achten:
      1. Lage/Schutz der oben genannten empfindlichen Komponenten
      2. Schwerpunkt (grade zweirädrige Roboter sollten den Schwerpunkt nicht zu weit von der Achse entfernt haben, sonst drehen die Räder nur durch anstatt den bot zu bewegen)
      3. Kompaktheit/Sicherheitsabstände. Je kleiner der Bot, desto Dicker kann die Panzerung sein. Aber Luft ist auch eine gute Panzerung, und wenn die Komponenten im Bot gegenanderschlagen ist das nicht hilfreich.
      4. Welche Stellen werden wahrscheinlich am stärksten belastet? (Vorderseite, Ecken, Räder/Achsen)
      5. Bots werden häufig umgedreht. Kann der Bot auf beiden Seiten fahren oder hat er einen Mechanismus zur Aufrichtung?
      6. Wie soll der Bot insgesamt aussehen, welche Strategie steckt dahinter? Kompakter "Block", der Gegner in die Grube schiebt oder an die Wand rammt? Keilform, um unter den Gegner zu kommen und ihn so leichter zu kontrollieren? Thwackbot, um den Antrieb als Waffe zu benutzen? ganz etwas anderes? Vor allem die Auswahl der Räder, Motoren und Untersetzungen ist davon abhängig, und dementsprechend unterschiedlich sind die Platzverhältnisse im Bot.
      "Spiel mit dem Feuer. Tu es.
      Denn man kann einem Kind hundertmal sagen, die Herdplatte sei heiß. Die Bedeutung wird ihm erst in dem Moment, in dem es trotzdem drauffässt klar.
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    • 3. "Innereien"
      Im folgenden wird zunächst von einem Bot ohne "aktive" Waffe ausgegangen, also einem, bei dem der Antrieb irgendwie auch als Offensive genutzt wird.

      Die Innereien kann man in zwei Teile aufteilen:
      1. Ohne große Unterschiede in jedem Bot vorhanden:
      LED, Empfänger, Link
      2. Designabhängig:
      Akku, Motoren, Getriebe oder andere Untersetzung, Fahrtenregler (ESCs)

      Empfänger:
      Quasi die "Ohren" des Bots. Er erhält die Signale der Fernsteuerung, und wandelt sie in elektronische Impulse um, die die Fahrtenregler dann verstehen können.
      Der Empfänger muss zur Fernbedienung passen, normalerweise wird da einer mitgeliefert. Dabei werden Empfänger und Bedienungen mit unterschiedlich vielen Kanälen angeboten, jeder kanal ist quasi eine Aktion, die man steuern kann. mindestens braucht man für einen Bot zwei Kanäle (einen pro Seite, dieser steuert dann ob der motor dort drehen soll, und wenn, ja, in welche Richtung). Die meisten Fernbedienungen haben allerdings mindestens 5 Kanäle, sodass noch genug für eine spätere aktive Waffe oder Spielereien wie Soundmodule, Lichteffekte oder ähnliches bleibt. Beliebt ist zB. die FlySky FS-I6.

      Link:
      Im Prinzip wird der Stromkreis direkt nach dem Akku unterbrochen. An diese Stelle wird ein Stecker (zB. XT-60) eingelötet, in den das durchschnittene kabel auf einer Seite sowohl rein-, als auch rausgeht. Außerdem wird das passende Gegenstück zum stecker mit einer Kabelschlaufe versehen, sodass wenn man diesen Stecker einsteckt das durchschnittene Kabel wieder vervollständigt ist.
      Dieser Link dient als "Zündschlüssel". Ohne Link ist in dem Bot nichts mehr aktiv, und der Bot kann gefahrlos gehandhabt werden.

      LED:
      Die LED ist zur Funktion eigentlich irrelevant, aber die Regeln schreiben sie eindeutig vor. Der Hintergrund ist einfach, dass man von außen direkt sehen können muss, ob der Bot aktiv und damit gefährlich ist, oder nicht. Daher muss diese auch direkt nach dem link montiert sein. Bei Raptoren haben sich dort diese 12V-LED-Streifen bewährt, die man zuschneiden kann. Die lassen sich ohne komplizierte Widerstände oder ähnliches direkt anklemmen, je nachdem welchen Anschluss man benutzt leuchten sie dann in unterschiedlicher Farbe. Beispiel <-- auf dem Bild sieht man den Anschluss recht gut... einfach nach 3 LEDs abschneiden, die Buchse für + ist markiert, und dann eine Farbe auswählen und - da reinstecken, das ganze befestigen, fertig. Gibts in fast jedem Baumarkt etc.


      Akku:
      Bei Raptoren sind maximal 12V erlaubt, das entspricht 3 Zellen LiPo (3s) bzw. 4 Zellen LiFePo (4s).
      Lipo sind etwas anfälliger und können zB. abbrennen, dafür wiegen sie bei gleicher Kapazität weniger.
      Andere Akkutypen sind möglich, allerdings oft so viel schwerer, dass es sich nicht lohnt sie zu benutzen.
      Außerdem ist bei Akkus die Kapazität (in mAh angegeben) und die Entladungsrate ( in C angegeben) entscheidend.
      Welchen Akku man braucht, hängt von den verwendeten Motoren ab. Bei einem Raptor mit zwei Bürstenmotoren als Antrieb reicht ein LiPo mit 3s, 1000mAh und 35C (dauerhaft/70C kurzfristig) aber auf alle Fälle.
      Benutzt man mehr Motoren, muss die Kapazität höher gewählt werden, damit der Akku nicht vor Kampfende leer ist. Die Entladungsrate wird vor allem mit aktiven Waffen interessant, wenn kurzfristig so viel Energie benötigt wird, dass der Akku diese eventuell nicht bereitstellen kann. Beispiel <-- So einer sollte zB. ausreichen.

      Motoren:
      Raptoren verwenden typischerweise Bürstenmotoren der Größe 550, wobei kleinere durchaus möglich wären. Diese Bürstenmotoren sind zB. bei RC-Autos und Akkuschraubern sehr beliebt, sodass es da reichlich Auswahl gibt. Normalerweise reichen aber die ganz normalen billigen völlig aus. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass sie für 12V ausgelegt sind, ansonsten geht ein Großteil der Leistung verloren.
      Es können auch Bürstenlose innenläufer benutzt werden, diese sind in der Regel deutlich leichter und kleiner und müssen oft nicht so stark untersetzt werden für das gleiche oder sogar bessere Ergebnis.
      Allerdings ist die Technik noch relativ neu, nur begrenzt für unsere Zwecke angepasst, und für einen ersten Bot wohl nicht die richtige Wahl, wenn man keine entsprechenden Vorkenntnisse mitbringt. Beispiel <-- Die sind völlig ausreichend und entsprechen ungefähr dem, was du zB. in Akkuschraubern finden würdest.

      Untersetzung:
      Die Untersetzung muss zur Drehzahl der Motoren und Größe der Räder passen. Aus den beiden Faktoren und der Wunschgeschwindigkeit des Bots lässt sich berechnen, wie viel Untersetzung man braucht.
      generell: je größer die Räder, desto höher die Endgeschwindigkeit bei weniger Drehmoment (weniger Kraft), genauso je kleiner die Untersetzung.
      Getriebe aus Akkuschraubern eignen sich dafür zB. wunderbar, oder extra dafür vorgesehene Getriebe aus dem Modellbau. Alternativ/zusätzlich können Zahnräder, Ketten oder Riemen zur Kraftübertragung genutzt werden, unterschiedlich große Zahnräder, Riemenscheiben etc. sorgen dann ebenfalls für eine Untersetzung. Diese ist jedoch normalerweise viel geringer als bei richtigen Getrieben. Beispiel <-- Das wäre eine "luxus"-Möglichkeit für einen relativ schnellen Bot und/oder einen mit recht kleinen Rädern, bei größeren bräuchte man mehr Untersetzung. Oder man schlachtet Akkuschrauber aus, das ist meist billiger wenn man bei Ebay etwas gutes findet.

      Fahrtenregler:
      Fahrtenregler sind sozusagen das "Gehirn" des Bots. Sie wandeln die Signale des Empfängers in tatsächlichen Stromfluss um, bzw. interpretieren diese Signale und schalten dementsprechend den Strom zu den Motoren.
      Grundsätzlich gibt es verschiedene Arten Fahrtenregler:
      Einkanal oder Mehrkanalregler. Einkanalregler heißen, sie können zB. die Motoren einer Seite des Bots ansteuern, da sie nur an ein Signal gekoppelt werden. Mehrkanalregler sind entsprechend größer, können dafür aber beide Seiten des Bots gemeinsam (bei zwei Kanälen, sonst sogar noch mehr wie zB. eine Waffe) versorgen, was für weniger Kabelwust im Bot und weniger Verwirrung im Kopf sorgt.
      Außerdem gibt es Regler für Bürstenmotoren und Bürstenlose Motoren, die funktionieren nur mit dem jeweils passenden Regler.
      Hier muss man aufpassen, dass der Fahrtenregler dem Motor auch so viel Power zur Verfügung stellen kann, wie dieser gerne hätte, sonst gibt der schwächste Teil nach.
      Hier lohnt es sich meiner Meinung auch, lieber etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen. Wenn mir 5 China-Billigregler abbrennen ist das genauso teuer und viel ärgerlicher als einen guten zu kaufen, der wirklich kann was in der Beschreibung steht.
      Je nach Regler können auch Sonderfunktionen wie zB. ein mixer eingebaut sein, der das fahren mit nur einem Steuerknüppel erlaubt. Beispiel <-- Der 4_5 zB. hat ungefähr alles, was man sich nur wünschen könnte, und da jeder einzeln von Rainer (IBF hier im Forum) gebaut wird, gehen auch Sonderwünsche ;) Dafür eben auch nicht billig, und es gibt durchaus kleinere Alternativen... Wäre für den Anfang aber das "rundum sorglos"-Paket.




      Memo: hier muss noch ein Bild rein mit einer beispielhaften Verkabelung.
      "Spiel mit dem Feuer. Tu es.
      Denn man kann einem Kind hundertmal sagen, die Herdplatte sei heiß. Die Bedeutung wird ihm erst in dem Moment, in dem es trotzdem drauffässt klar.
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    • 4. "Chassis"

      Oder auch: der Rest vom Bot.

      Das ist jetzt der Teil, wo man Designtechnisch der Phantasie recht freien Lauf lassen kann.

      Dabei lohnt es sich aber auf manche Dinge zu achten. Die entscheidenden Teile und ihre Funktion sind:

      Räder:
      Naja, ohne Räder fährt es sich schlecht, jedenfalls normalerweise. Als Räder eignen sich zB. aus HDPE ausgeschnittene Kreise mit einer eingeschlagenen/eingeschmolzenen Mutter, die auf die Getriebeachse geschraubt wird (bei Akkuschraubergetrieben). Auf die Kante dieser Scheiben wird Fahrradreifen für besseren grip geschraubt. Bei besonders großen Rädern reicht diese Befestigungsmethode allerdings nichtmehr.
      Die Radgröße in Zusammenhang mit Motor und Getriebe bestimmt, wie schnell der Bot ist, und wie viel Kraft er entwickeln kann um zB. andere Bots zu schieben. Wobei erfahrungsgemäß zuerst die Räder durchdrehen, bevor die motoren zu schwach sind. Die Radgröße sollte passend zum restlichen design gewählt werden, ähnlich deren Positionierung:
      Große, offenliegende Räder haben den Vorteil, dass es nahezu unmöglich ist den Bot an der Wand zu verkanten oder so dagegenzustellen, dass dieser festhängt, einfach weil immer ein Rad den Boden berührt und den Bot befreien kann. Aus diesem Grund ist es oft auch sinnvoll, die Räder an der Oberseite herausgucken zu lassen, damit der Bot notfalls auf dem Kopf fahren kann.
      Dagegen haben kleinere, verstecktere Räder den Vorteil nicht so schnell getroffen zu werden, damit sind sie haltbarer.

      Chassis:
      Als eigentliches Chassis sehe ich hier schlicht den Teil der Struktur, der alles zusammenhält. In der Praxis, grade bei Raptoren und ähnlichen Gewichtsklassen wird das Chassis aus der Panzerung gebildet bzw. andersherum. Beides getrennt zu betrachten hat aber den Vorteil, sich erstmal bewusst zu machen wo wahrscheinlich welche Kräfte wirken und welche Teile besonders gefährdet sind, also um mögliche Schwachpunkte aufzudecken.

      Panzerung:
      Im Raptor-Bereich hat man einiges an Materialien als Panzerung zur Auswahl: von Titan und Panzerstahl über Kohlefaser, Kevlar, Aluminium, Kunststoffe wie HDPE bis hin zu Holz und was auch immer man grade findet. Grundsätzlich haben unterschiedliche Materialien unterschiedliche Eigenschaften, und Stahl ist nicht gleich Stahl oder Alu gleich Alu. Aber ganz grob, ohne allzu sehr in die Materialwissenschaften einzusteigen: Meistens haben teurere materialien einen grund, warum sie teuer sind. ob der für uns sinnvoll ist, ist nochmal eine andere Geschichte.
      Bei Raptoren werden hauptsächlich Alu, Stahl und Kunststoffe wie HDPE verwendet. Was davon, ist oft vor allem abhängig von den Verarbeitungsmöglichkeiten desjenigen an, der den Bot baut. HDPE ist eher flexibel, gibt einem Spinner zB. eher nach, bzw. da wird ein Scheibchen abgeschnitten. Stahl (insbesondere Hardox und ähnliche) dagegen sind extrem hart und geben die gesamte einwirkende Kraft direkt auf den Rest des bots weiter, dafür schneidet da auch keiner etwas ab. Alu ist gewissermaßen ein Kompromiss: deutlich steifer als HDPE, vom gewicht auch ca. in der Mitte der beiden, aber immernoch leichter zu bearbeiten und zu zerstören als Stahl. Dafür schwieriger zu schweißen.
      Ehrlich gesagt: Nehmt, womit ihr am besten zurecht kommt und was an geeignetem Werkzeug vorhanden ist.
      Schweißgerät und metallbearbeitungswerkzeug? Stahl, evt. Alu. Holzbearbeitungswerkzeuge funktionieren super für HDPE (nur die Späne sind nervig).
      Oder der Bot wird aus HDPE, aber mit einem Streifen Panzerstahl an der Vorderseite, wo der Gegner wahrscheinlich auftrifft.
      Neben dem material und der Verteilung der Panzerung, macht vor allem auch der Winkel etwas aus. Spitze ecken (wie zB. bei einem kastenförmigen bot) sind für einen Horizontalspinner ein gefundenes Fressen. Trifft der stattdessen auf eine schräg angewinkelte Panzerung, katapultiert er sich wahrscheinlich selbst in die Luft. Dafür sind angewinkelte schwieriger zu befestigen und man braucht mehr material. Ob also lieber etwas dickere oder angewinkelte Panzerung... es gibt kein richtig oder falsch.

      Waffe:
      Selbst ohne Pneumatik, zusätzlichem Motor oder ähnlichem kann ein bot durchaus bewaffnet sein.
      da wäre die klassische "Keilform", die dazu dient unter den Gegner zu kommen und ihn durch die Gegend zu schieben (zB. in die Grube) während seine Räder kaum Bodenkontakt haben.
      Oder bei besonders schnellen Bots kann eine art "Speer" eingebaut werden um den Gegner zu rammen.
      Oder seitliche Ausleger, um den Gegner "einzufangen" und so zu kontrollieren.
      Oder eine art "Ausleger" mit einem Gewicht dran, das entweder den ganzen bot bei scharfen Bremsungen überschlagen lässt und auf den Gegner schlägt, oder bei schneller Rotation des bots auf der stelle quasi zum horizontalspinner wird.
      Seid da kreativ!
      Denn auch wenn das ziel des ersten bots vor allem "überleben" sein sollte: für Kontrolle und Aggression gibt es punkte, sollte es zum juryentscheid kommen.
      "Spiel mit dem Feuer. Tu es.
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      Ps: Nicht käuflich, aber buchbar

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    • 5. Häufige Fehler und Probleme

      Zunächst wird gerne übertrieben.
      Dies zeigt sich vor allem beim Kampf darum, welcher bot unter den anderen kommt. Prinzipiell ist das eine sehr gute Strategie, nur wenn man es übertreibt, bleibt man entweder im Holzboden der Arena stecken, oder strandet bereits auf winzigen Splittern oder teilen, die von bots abgefallen sind.
      Ähnliches zeigt sich auch beim Antrieb: Der bot wird entweder so schnell gebaut, dass man ihn nicht kontrollieren kann und in der Grube landet, oder der Antrieb ist so kraftvoll, dass die Räder durchdrehen, weil die Kraft garnicht auf den Boden kommt.
      Ähnliches zeigt sich überall: Frontpanzerung so schwer, dass die Antriebsräder hinten kaum noch den Boden berühren und den Bot nicht schieben können, Akkus, die ein ganzes Wochenende nicht geladen werden müssen oder ähnliches.

      Es gibt nunmal eine Gewichtsbeschränkung, "immer größer/stärker" ist da selten die richtige Antwort (aber zugegebenermaßen oft die spaßigste).

      Wenn nicht übertrieben wurde, und das Design nicht zu kompliziert war (also der Bot fertig wurde), sind die Abschätzungen wo man wie viel material braucht etc. oft eher sehr grobe Schätzungen, was zu ungewollten Schwachpunkten/Sollbruchstellen oder unnötiger Gewichtsverschwendung führt. Auch bei sowas, wer seinen Bau hier im Forum schritt für schritt dokumentiert, wird was das angeht oft rechtzeitig von denen mit mehr Erfahrung vorgewarnt.

      Aber selbst wenn das alles stimmt, könnte man noch einfach das falsche Material benutzt haben. Manche Kunststoffarten sind flexibel und geben leicht nach, um Energie aufzunehmen, andere hingegen zersplittern sofort. Genauso sind auch manche Stähle eher spröde oder eher elastisch, und so geht es weiter.

      Aber selbst wenn das nicht der Fall ist:
      Der häufigste und tragischste Fehler ist, den bot nicht (soweit man das unter sicheren Bedingungen kann) zu testen und fahren zu üben.
      Denn bei 90% der Botdesigns ist nicht das Design allein, sondern vor allem der richtige Umgang damit entscheidend. Außerdem fällt einem dann erst auf, wenn man doch irgendetwas zu knapp kalkuliert hat, und der Akku nicht reicht, der Regler abbrennt oder die LED sich bei jeder scharfen Bremsung loslöst.

      Anderen fallen da bestimmt noch dutzende andere Sachen ein...
      "Spiel mit dem Feuer. Tu es.
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      Ps: Nicht käuflich, aber buchbar

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    • Hallo Jan,

      hast Dir ja sehr viel Arbeit mit den Erläuterungen gemacht. :thumbup:

      Jetzt sollten wir alle hier diesen Thread nicht mit Kommentaren versauen. Dieses Posting werde ich auch heute abend wieder löschen ! => Damit soll dieser "Anleitungs-Thread" nicht mit Quer-Kommentaren gestört sein.
      .
      Interesse an Elektronik für Schaukampfroboter und Kettenfahrzeuge (Fahrtregler, ESC) ? => http://www.Robots.IB-Fink.de
    • würde mir auch wünschen, die ersten 1-2 Kommentare regelmäßig zu aktualisieren und als to-do-liste zu behalten, mit kram, der noch als Ergänzung gewünscht wird oder was sonst noch fehlt. Sowas gerne einfach kommentieren, jemand mit den entsprechenden forenrechten kann das dann in den ersten Kommentar kopieren und die dahinter wieder löschen, zur Übersicht.

      Außerdem würde ich mich freuen, wenn jemand von euch, die mehr mit der elektro-seite bewandert sind ergänzen/erläutern, was ich jetzt oft schwammig als "zueinander passen" oder so bezeichnet habe. Wie gesagt, bisher stell ich mir das hier nur als Skelett dessen vor, was es mal werden kann.
      Ähnliches gilt für die verschiedenen panzerungsmaterialien, Befestigungsmöglichkeiten etc.
      "Spiel mit dem Feuer. Tu es.
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      Ps: Nicht käuflich, aber buchbar